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26. Mai 2016

Die Derbywoche - Teil 6

Den Abschluss meiner Derbywoche bin ich euch noch schuldig... Bitte verzeiht mir, dass er etwas später als erwartet kommt, aber momentan geht bei mir wieder viel drunter und drüber. Mein Abschluss steht ganz im Sinne der Pferde. So möchte ich für euch einen Rückblick auf die vergangenen Wettbewerbe werfen. 

Etwas sehr erfreuliches gleich zu Beginn: es gab verhältnismäßig wenig Stürze und keine Verletzten. Das ist angesichts der aktuell viel zu oft aufkommenden Nachrichten über verunglückte Reiter und Pferde eine sehr positive Nachricht. Als ehemalige BWL-Studentin denke ich da natürlich auch an die Veranstalter, die jedes Jahr ein wirklich tolles Turnier auf die Beine stellen. 
Beginnen wir sogleich mal mit dem Derby selbst. Von den 31 an den Start gegangenen Paaren sind unglaubliche 20 ins Ziel gekommen. Keiner davon hatte im Parcours eine fehlerfreie Runde und wir sind dieses Jahr in den Genuss eines sogenannten Vierer-Stechens gekommen. 
Für die Unkundigen unter meinen Lesern: die Wettbewerbe werden immer unterschiedlich ausgeschrieben. Manche Springwettbewerbe werden nach Fehlerpunkten (4 Punkte für einen Fehler an einem Hindernis - egal wie viele Stangen fallen, 4 Punkte für eine Verweigerung, international wird das Paar nach der 2. Verweigerung ausgeschlossen, ein Sturz führt zum sofortigen Ausscheiden) und Zeit, die das Paar für die Überwindung des Parcours benötigt, gerichtet. Wenn ein Wettbewerb mit Stechen ausgeschrieben ist, können sich dafür die Paare qualifizieren, die die wenigsten Fehlerpunkte aus dem Parcours mitnehmen. Sobald also zwei Paare 0 Fehler haben, wird der Sieger im anschließenden Stechen festgestellt. Gibt es kein Paar mit 0 Fehlern, jedoch mehrere mit 4 Fehlern, dann gibt es das sogenannte Vierer-Stechen. Die Fehler werden nicht übernommen, alle Reiter starten im Stechen wieder bei 0 und der Reiter mit der schnellsten Zeit und möglichst ohne Fehler siegt. 
Im Falle des diesjährigen Derbys hat es kein Paar ohne Fehler aus dem Parcours geschafft, jedoch waren 9 Paare mit lediglich 4 Fehlerpunkten für das Stechen qualifiziert, was von der unglaublich hohen Qualität der Pferd-Reiter-Paare zeugt. Und es versprach weiterhin spannend zu bleiben. Nicht dass das eigentliche Derby schon spannend genug wäre. Ich finde es jedes Jahr auf's Neue unglaublich, wie leise es wird, wenn ein Paar sich den schweren Hürden des Parcours stellt. Ist eine davon überwunden, bricht kurz ein Jubel aus, der aber sofort wieder in absoluter Stille mündet. Wirklich beachtenswert bei einem derart gefüllten, ausverkauften Stadion. 
Das Stechen war dann wie zu erwarten ebenfalls mit Spannung gefüllt. Letztlich blieben Nigel Coupe (GBR) auf Golvers Hill, André Thieme (GER) auf Voigtsdorfs Quonschbob und Lokalmatadorin Janne Friederike Meyer (GER) auf Cellagon Anna im Stechen fehlerfrei und sicherten sich die Plätze 2 bis 4. Gewinner wurde der Ire Billy Twomey auf seinem Diaghilev. Das Paar hat mich die ganzen Tage über immer wieder überzeugt mit wirklich tollen, sehenswerten Runden in den Qualifikationen. Ein absolut verdienter Sieg.


Die Tage davor waren natürlich auch bereits voll gepackt mit packenden, tollen Prüfungen. Es waren Reiter aus den verschiedensten Ländern angereist, fast die gesamte Weltspitze des Springsports hatte sich versammelt und für die großen Prüfungen - den Großen Preis von Hamburg (Mercedes-Benz Championat) und die Longines Global Champions Tour ihre Top-Pferde genannt. 

Mein persönliches Highlight war jedoch die neue Prüfungsart, die erst in diesem Jahr ihre Premiere gefeiert hat: die Global Champions League. Sicherlich kann man jetzt sagen, dass es wieder nur eine weitere Prüfung ist, in der es um unverschämt viel Geld geht und die Pferde ja nur als Sportmittel gesehen werden, aber so ist nun mal die Realität. Alle Reiter (zumindest min. 95 %), die bei dieser Art von Turnieren an den Start gehen, verdienen damit ihr Geld. Sie haben keine langweiligen Bürojobs oder stehen von Montag bis Freitag auf der Baustelle. Sie reiten Pferde, bilden sie aus, stellen sie auf Turnieren vor und verkaufen sie. Das ist ihre Arbeit, damit verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt. Dass der Pferdesport ein sehr teures Hobby ist, wissen die meisten von euch. Wer kann es den Reitern also verübeln, auch die hochprämierten Wettbewerbe zu bestreiten? 
Und was ich in Hamburg gesehen habe, hat mich doch etwas glücklich gemacht. Die Zeit, die ich wie immer am Abreiteplatz verbracht habe, hat mir gezeigt, dass ein Umdenkprozess stattgefunden hat. Ob die Reiter ihre Reitweise in der Öffentlichkeit angepasst haben, sei mal dahingestellt. Aber viele haben einen sehr ehrlichen Eindruck hinterlassen, so dass ich davon ausgehe, dass die "vorgestellten" Reitweisen auch die sind, die zu Hause auf den Anlagen geritten werden und nicht so gezeigt wurden, damit sie den Medien und den allwissenden Reitfans in den Kram passen. Es gab nur wenige Reiter, die ihre Pferde etwas zu eng geritten sind. Die meisten haben wirklich nur Sekunden den Kopf rangeholt und danach wieder lang gelassen. Das habe ich in den letzten Jahren auch schon anders gesehen... Wie auch immer. 

Die Global Champions League ist ein Team-Wettbewerb. Allein das ist schon wirklich interessant anzusehen, da im Springsport viel zu selten in Teams geritten wird. Zu Beginn dieser neuen Prüfungsserie wurden also Teams gebildet, die Reiter konnten sich dazu - soweit ich informiert bin - selbstständig zusammenfinden. Rausgekommen sind 15 Teams zu je 5 Reitern. Alle Teams tragen die Namen der Austragungsorte. So gibt es die Valkenswaard United, Monaco Aces oder Shanghai Swans. An jedem Austragungsort starten jeweils 2 Reiter pro Team. Die Teams selbst kann man sehr gut auseinander halten, da sie sich in ihren "Polo-Turnier-Shirts" farblich voneinander absetzen. Die meisten Teams haben zudem ihren Pferden sogar passende Schabracken und Fliegenmützchen verpasst. Die Farben spiegeln das jeweilige Team-Logo wider. Hier war wirklich viel Kreativität am Werk. Zudem hat jedes Team sein eigenes "Lied". Dieses wird beim jeweiligen Ritt des Teamreiters gespielt. Also Reiten zu Musik - wirklich toll. Da lief Eye of the Tiger oder die Titelmusik des A-Teams. 
Die beste Musik-Auswahl hat hierbei das Team aus Qatar getroffen - die Doha Fursan Qatar. Die haben es tatsächlich wahr gemacht und die tolle Titelmusik von Game of Thrones gewählt. Sehr imposant. Ich habe das mal versucht, mit dem Handy einzufangen - es ist nicht die beste Qualität, aber ich glaube, man kann die Musik im Hintergrund hören?! 

  

In Hamburg hat das bisher führende Team erneut dominiert. Valkenswaard United hat mit seinen Reitern Bertram Allen und John Whitaker allen gezeigt, wo der Haken hängt. Dabei auch wieder einmal Hut ab vor Mr. Whitaker. Die beiden Reiter trennen sage und schreibe 40 Jahre, aber er stand seinem jungen, wilden Kollegen in nichts nach und hat einige blitzsaubere Runden geliefert. Tolle Ritte, tolle musikalische Untermalung und damit eine gelungene Premiere dieser neuen Wettbewerbs-Form. 

Ein ebenfalls immer wieder spannender und vor allem actiongeladener Wettbewerb ist das Speed-Derby, bei dem Teile des Derby-Parcours in abgewandelter Form überwunden werden müssen. Dabei werden die Reiter von fetziger Musik unterstützt - gepaart mit äußerst amüsanten Pointen des Sprechers. So wurde André Plath mit folgenden Worten angefeuert: "Bloß nicht anfangen mit taktieren, jetzt gibt es nur Vollgas." Aus Gilbert Tillmann wurde Gilli Tilli mit dem Hinweis "Wir wollen jetzt hier aber keine Versammlung sehen". Wirklich lustig, wie die Stimmung immer wieder kleine Höhepunkte findet. Auch deshalb mag ich das Turnier in Hamburg so sehr, weil es neben dem ganz großen Sport immer noch wichtig ist, Spaß am Sport zu haben. Und den haben die Teilnehmer jedes Jahr auf's Neue. 

Ansonsten gab es von Mittwoch bis Sonntag absolut tollen Sport der Extraklasse zu sehen. Allerdings ist mir aufgefallen, dass der Rasen auf dem großen Derby-Springplatz in diesem Jahr so seine Tücken hatte und scheinbar auch nicht ganz den Erwartungen der Veranstalter entsprach. So wurde in diesem Jahr nach jedem Springen der komplette Platz mit einer großen Walze begradigt, was ich noch nie gesehen hatte. Sonst war es üblich, dass man abends nach dem letzten Springen einmal mit der Walze drüber fuhr, aber nach jedem Springen war doch äußerst unüblich. Auch sind dieses Jahr verhältnismäßig viele Pferde trotz langer Rasenstollen ausgerutscht. Wobei man auch hier einige Momente erleben konnte, wo einem der Atem stockte. Leider fielen einige Reiter durch Wegrurgrutschen vom Pferd, andere wiederum zeigten ihre absolute Weltklasse. So rutschte im Springen der Global Champions Tour das Pferd von John Whitaker unglücklich weg, konnte sich jedoch mit einem Ausfallschritt wieder berappeln. Der von diesem Missgeschick überraschte Reiter geriet kurz ins Straucheln, hing wirklich schief und ohne Bügel im Sattel, hat aber blitzschnell reagiert und sich mit einer super Manier inklusive Pferd über den viel zu schnell nahenden Steilsprung gerettet. Sowohl Publikum als auch der Richterturm waren davon so begeistert, dass er Applaus und ein "Well done, John" bekam. Wirklich großartig anzusehen, was der altgediegene Mr. Whitaker immer wieder aus dem Sattel zaubert.

Ihr seht, ich war wie jedes Jahr restlos begeistert. Das Wetter hat dieses Jahr so richtig gezeigt, wie es im Urlaub sein muss - wir hatten nicht einen Tag Wolken auf dem Derbyplatz, es war sogar fast zu warm. Bereits am ersten Tag gab es einen Sonnenbrand, aber was tut man nicht alles für den Reitsport. 

Liebe Grüße, 
eure Steffi.

11. Februar 2016

Partner Pferd Leipzig 2016

Bei dem ganzen Stress um meine mündliche Prüfung und die Reise nach Stuttgart bin ich euch einen Bericht noch schuldig geblieben. 

Mein diesjähriger Besuch der Partner Pferd Messe in Leipzig stand wie alles andere irgendwie auch ein wenig im Schatten meines bevorstehenden Kolloquiums. Somit sind wir diesmal gar nicht direkt zur Messe gefahren, sondern haben einen Stopp im Nova Eventis eingelegt. Das lag auf dem Weg, es passte zeitlich ganz gut und ich wusste, dort würde ich einige Sachen für den großen Tag finden.

So brauchte ich neben einer Winterjacke auch noch mein komplettes Kolloquiums-Outfit. Und das unter dem Umstand, dass ich ja eigentlich ein regelrechter Shopping-Muffel bin. Ja, sofern es sich nicht um irgendwas mit Reiten / Pferde handelt, meide ich Modegeschäfte in der Regel lieber. Vor allem im Winter ist es für mich ein Graus. Nichts desto trotz war der Vormittag mehr als erfolgreich. Ich habe alles gefunden, was ich wollte und konnte glücklich den nächsten Punkt an diesem Tag ansteuern.

Auf der Messe waren meine Ansprüche eigentlich gar nicht so hoch. Vielmehr hatte ich überlegt, wonach ich gucken könnte. Wirklich kaufen wollte ich nur einen Reithelm. Nach neuen Jodhpur-Stiefeletten wollte ich mal gucken. Und ansonsten entspannt stöbern, ob mir nicht noch etwas besonders gefällt. 

Wie fast immer kam es natürlich ganz anders als geplant. Am Stand des Reiterladen24 (wo ich bereits mehrfach eingekauft und bisher immer tolle Ware zu einem tollen Preis bekommen habe) wurde ich sofort fündig. Am Abend zuvor hatte ich eine E-Mail bekommen, dass man auf der Messe zusätzlich noch einmal 10 % Rabatt eingeräumt bekommt. Was für ein Ansporn. :D

Schnell fand ich die verschiedenen angebotenen Reithelm-Modelle und testete mich durch. Ich hatte bereits eine exakte Vorstellung, was ich suchte, so fielen einige Modelle bereits raus. Zuerst standen zwei Modelle in der näheren Auswahl, von denen ich allerdings nicht zu 100 % überzeugt war. Dann probierte ich das teuerste Modell auf, einen Casco Mistrall. Und was soll ich sagen? Er passte halt einfach. Sehr bequem, sehr leicht, angenehmer Tragekomfort und die Form passte sehr gut zu meinem Kopf. Das stellte sich sogar als K.O.-Kriterium heraus, denn einige Modelle sahen nahezu ulkig auf meinem Kopf aus. 

Wieder ein Punkt auf meiner recht langen Shopping-Liste konnte somit abgehakt werden. Am gleichen Stand hatten sie (wie auch schon in der E-Mail angekündigt) einige Modelle vom Schuh-Hersteller Suedwind ausgestellt. Da waren neben Stiefeln und Chaps auch Stiefeletten dabei. Und wie es der Zufall wollte, genauso, wie sie in meinen Vorstellungen sein sollten. Vorn zum Schnüren, hinten mit Reißverschluss und einer Naht auf der Fussspitze. Dieses Modell, der Suedwind Oxford Advanced zog schließlich auch bei mir ein. Auch wenn ich mir erst neue Schuhe kaufen wollte, wenn die alten komplett durchgelaufen sind (was ich irgendwie immer schaffe), konnte ich nicht widerstehen. Das Angebot war zu verlockend. Ein sehr fairer Preis abzüglich des üblichen Messerabatts und dem in der Mail angesprochenen zusätzlichen 10 % weniger. Wer kann da schon nein sagen? 

Neu war diesmal ein Stand, der mich sofort magisch anzog: ein Klamottenstand mit Pullovern, Jacken und Shirts der Marke Naketano. Ich liebe diese Pullover, aber bisher habe ich nie etwas passendes für mich gefunden. Doch dieses Mal sollte es klappen und ich verliebte mich in einen kuscheligen, sehr dicken Winterpullover in dunkelblau. Das Highlight daran ist wohl der Anker im Emblem am Arm. Mittlerweile weiß ich, dass es das Emblem auch mit Eulen statt Anker gibt, aber der Anker hat es mir momentan angetan und überzeugte mich zusätzlich, den Pullover zu kaufen. Dieser kostete außerdem auch nur die Hälfte des sonst üblichen Preises im Laden. Wer kann da nein sagen? Ebenfalls von Naketano kauften wir auch noch einen tollen Beutel, ähnlich einem Seesack. Nicht so groß, aber nicht minder praktisch. 

Den Abschluss bildete wieder das übliche Verweilen am Abreiteplatz. Positiv fand ich dieses Jahr, dass weniger Reiter zu beobachten waren, die durch eine unangebrachte Reitweise negativ auffielen. Sprich, fast alle Pferde durften am langen Zügel ihre Arbeit beginnen, wurden schonend erwärmt und konnten auch mal einen Blick nach links und rechts wagen. Immer wieder spannend finde ich dabei jedoch jene Pferde, die man im Parcours immer nur als ausgeglichen und ruhig kennenlernt. Beim Warmreiten oder Arbeiten zwischen den Prüfungen sind diese nämlich auch nur normale Pferde, wie sie auch bei uns in den Ställen stehen. Sie bocken, sie erschrecken, sie widersetzen sich, sie sind einfach Pferd. Und das ist toll anzusehen. Denn wenn wir mal ehrlich sind, wer hat nicht schon einmal gedacht: warum ist mein Pferd immer so komisch und zappelt rum, erschreckt sich, macht nicht das was ich will, wo doch die Pferde der Profis so lieb und nett sind. Nein, der Schein trügt. Diese Pferde sind genauso Lebewesen, die auch mal ihren Übermut rauslassen wollen. Das ist dann doch sehr interessant und beruhigend, wie ich finde.

Soviel von meinem erlebnisreichen Tag in Leipzig mit vielen Shopping-Höhepunkten. Nun folgen wie gewohnt einige Impressionen.


Liebe Grüße,
eure Steffi.

10. September 2015

EM Aachen 2015: Resümee aus deutscher Sicht

Auch wenn die EM nun schon wieder einige Tage (oder besser Wochen) vorbei ist, schulde ich euch noch ein Resümee. Dieses soll nun folgen...

Das war sie also... die EM im eigenen Land in einer der wohl beeindruckendsten Kulissen der Welt. Zwei ereignisreiche Wochen liegen hinter uns. Zwei Wochen voller Special Moments, so wie es uns in der Eröffnungsfeier noch vorausgesagt wurden. Allerdings auch zwei Wochen voller fragwürdiger Entscheidungen. Diese möchte ich noch einmal aufgreifen.

Beginnen wir mit der Dressur. Was für ein Aufschrei bei einer so tollen Sportart, einer so tollen Disziplin. Zu Beginn der Wettbewerbe hat wohl niemand damit gerechnet, dass die Dressurreiter wieder einmal für das schlechte Licht auf dem Reitsport sorgen würden. Allen voran natürlich das Karriereende des begnadeten Wunderhengstes Totilas. Ein Paradebeispiel, wie man medienwirksame Promotion lieber doch nicht machen sollte. Was wurde 2010 alles in Gang gebracht, als der Kauf des Hengstes durch Paul Schockemöhle bekannt wurde. Für einen damals sehr hohen zweistelligen Millionenbetrag kam der Rappe aus den Niederlanden nach Deutschland in die Besitzergemeinschaft Schockemöhle - Linsenhoff. Sein neuer Reiter Matthias Alexander Rath sollte niemals glücklich werden mit seinem neuen Schützling unterm Sattel. Doch damals ahnte das noch keiner. Es wurden Tassen und T-Shirts, Mousepads und Mützen mit dem großen T bedruckt und verkauft. Ein Run entwickelte sich auf das Paar, alles wurde dokumentiert und beobachtet. Allzu bald machte sich dann aber die Ernüchterung breit. Zwar konnte das Paar bei ihren ersten Auftritten noch überzeugen, doch das blieb leider eine Seltenheit. Erkrankung des Reiters, Verletzung des Pferdes, Comeback, Verletzung des Pferdes, Comeback, Verletzung, Comeback. So könnte man die Leidensgeschichte kurz und knapp zusammenfassen. Dann der Eklat - für den aufmerksamen Zuschauer und Liebhaber der Dressur. Der Auftritt Rath / Totilas beim Turnier in Hagen lieferte die beinahe auf dem Fuße folgende Nominierung für die EM in Aachen. Doch warum wurde für dieses Paar erneut eine Ausnahme gemacht? Alle anderen hatten pflichtbewusst an allen vorgegebenen Sichtungsturnieren teilgenommen, um sich für die Mannschaft zu empfehlen. Doch nominiert wurde neben den drei zu Recht gewählten Mädels auch jenes skandalträchtige Paar. Und es erwies sich leider als wohl schlechteste Alternative von allen. Doch wer konnte ausgerechnet mit einer miesen Bewertung beim einstigen Punktegaranten rechnen? Niemand, denn wohl kaum einer hatte erwartet, dass Totilas in einer Prüfung, wo ihn viele Menschen sehen und ihm zujubeln (was er ja bekanntlich liebt, der kleine Macho), erste Anzeichen zeigen würde. Erste Anzeichen einer Lahmheit, Anzeichen von Schmerzen. Auf den unten zu sehenden Bildern erkennt man - im Nachhinein (der einen immer schlauer macht als vorher) - deutlich die Entlastungshaltung des Hengstes, sowohl zu Beginn als auch am Ende der Prüfung.

Zu Beginn der Prüfung
Nach der Prüfung
Aber zu dem Zeitpunkt hat wohl kaum einer dran gedacht, dass diese Haltung am Ende des Wochenendes die sportliche Karriere des Totilas beenden würde. Wahrscheinlich stehe ich auch nicht allein mit meinem Wunsch da, den schicken Macho noch einmal im Dressurviereck sehen zu können - jedoch als lockeres, entspanntes Sportpferd in fairer, pferdegerechter Reitweise. Zufrieden. Dass es möglich ist, zeigen mittlerweile viele, auch erfolgreiche Reiterinnen und Reiter. Da sind Uta Gräf (was für ein toller Reitstil - ich wünschte, ich könnte einmal so reiten wie sie) und Ingrid Klimke zu nennen. Doch auch Helen Langehanenberg hat es mit Damon Hill NRW gezeigt. Und sowohl Kristina Bröring-Sprehe als auch Jessica von Bredow-Werndl geben immer wieder ihr bestes, um es ihnen nachzumachen. Sie befinden sich auf einem sehr guten Weg, wenn nicht sogar schon kurz vor'm Ziel. Ein internationales Beispiel sind nach wie vor das Traumgespann Dujardin / Valegro. Ein durchlässiges, entspannt gehendes Pferd mit einer tollen Reiterin. Was hinter den Kulissen passiert, weiß niemand. Jedoch kann man davon ausgehen, dass die Grundharmonie, die man im Viereck zu Gesicht bekommt, im Training erarbeitet wurde. Pferd und Reiter verstehen und akzeptieren sich, nur dann sind hoch benotete Ergebnisse zumindest auf lange Zeit möglich.
Doch Totilas war nicht der einzige, der in den Medien heiß diskutiert wurde. Vor allem der Auftritt seines ehemaligen Reiters Edward Gal zeigte wieder einmal die hässliche Fratze des Dressursports. Zufällig (oder auch nicht) entdeckt in einer abgelegenen Trainingshalle, jedoch anscheinend zugänglich bzw. einsehbar für alle Augen, die es sehen wollten, trainierte der Niederländer sein Pferd Undercover. Leider musste man mit ansehen, wie das Pferd Runde um Runde in engster Kopf- und Halshaltung geritten wurde. Das ganze Dilemma endete im Falle Gal / Undercover in der Disqualifikation des Paares, weil sich der Vierbeiner auf die Zunge biss und dadurch Blut im Maul zu sehen war. Nichts ungewöhnliches (es passiert nun mal, genauso wie sich Pferde verletzen können, wenn sie mit ihren Hufeisen ans Bein kommen), jedoch unzulässig in einer Dressurprüfung.
Diese "Geschichte" sorgte für einen regelrechten Shistorm im Social Media Bereich und wieder einmal versuchen Anhänger der klassischen Reitkunst mittels Petitionen gegen Rollkur, Hyperflexion oder wie man es auch nennen mag, die Verantwortlichen im Reitsport munter zu rütteln.
Das alles wirft leider ein sehr negatives Licht auf die Dressur. Und auch die durchaus ansehnlichen Ergebnisse der deutschen Damen (auch wenn Isabell sich verritten hat und Kristina aufgrund von Richterentscheidungen knapp am Einzelgold vorbei geschrammt ist) konnten diesen faden Beigeschmack leider nicht übertünchen. Schade drum, denn nicht alles in der Dressur ist schlecht. Sicherlich haben auch oder vor allem die Richter ihren Funken zum Zündstoff beigetragen, jedoch konnte man an den Prüfungstagen auch viele tolle Ritte und interessante Paare sehen.

Kommen wir zum Springreiten. Auch hier gab es wieder einiges, was nicht so gelaufen ist, wie man es sich gewünscht hätte. Hier war ich ebenfalls mit der Mannschaftsaufstellung nicht zufrieden. Wobei das wohl eher an meiner persönlichen Kritik gegenüber dem Reitstil von MMB liegt. Meredith hat über viele Jahre hinweg tolle Leistungen im deutschen Springsport geschafft. Unvergessen ihre Siegesritte mit Shutterfly und Checkmate. Doch irgendwann fing ein schleichender Prozess an, der meine anfangs positive Meinung ihr gegenüber änderte. Damit möchte ich in keinster Weise sagen, dass sie nicht reiten kann, denn das hat sie ja eindrucksvoll gezeigt, dass man sich auf sie verlassen kann. Nichts desto trotz gefällt es mir nun mal nicht, wie sie reitet. Aber das ist ja eine sehr objektive Meinung. Um das ganze zu verdeutlichen, habe ich mal ein Vergleichsbild mit der m. M. n. klassisch reitenden Penelope Leprevost reingestellt. Mein Auge sagt mir bei Bildern wie dem folgenden, dass ich andere Stile einfach "ansehnlicher" finde.


St. Georg

St. Georg
Allerdings stört das die Pferde nur in den seltensten Fällen. Bestes Beispiel ist da ja der Franzose Roger-Yves Bost, dessen Unterschenkel bei jedem Sprung ein Eigenleben entwickeln. Trotz seiner spektakulären Runden hat er Erfolg und nur der zählt ja bekanntlich. :) So ist es eben auch bei MMB. Wie sie über die Sprünge kommt, ist egal. Hauptsache sie liefert ab und das hat ja immer gut geklappt. 
An den Equipe-Entscheidungen kann man nun aber auch nichts mehr ändern. Genauso wenig wie die Ergebnisse der Springreiter. Ich weiß leider nicht mehr, wer es sagte, aber es war auf den Punkt getroffen: die deutschen Reiter sind gut geritten, aber nicht gut genug. Sie waren leider nicht in der Lage, genauso viele Nullrunden abzuliefern, wie es die anderen Nationen und Einzelreiter geschafft haben. So wurde der Niederländer Jeroen Dubbeldam mit einem Zeitfehler am letzten Tag und den Zeitfehlern aus der Startprüfung Europameister und verwies damit Gregory Wathelet (BEL) und Simon Delestre (FRA) auf die Plätze 2 und 3. Unsere Athleten landeten auf den Plätzen 7 (Christian Ahlmann), 8 (MMB), 12 (Ludger Beerbaum) und 25 (Daniel Deußer). Schade, denn im Einzel hatte Ludger bis zuletzt gute Chancen auf eine Medaille. Aber es sollte eben nicht sein. Genauso wenig Glück hatten sie auch in der Mannschaftswertung. Zwar sprang dort eine tolle Silbermedaille raus, jedoch hätte es genauso gut auch Gold sein können. Jedoch bringt uns dieses hätte, wäre, wenn nicht weiter. Fakt ist: es hat einfach nicht sein sollen. 

Doch nicht alle Equipen hatten so viel "Pech" wie die Dressur- und Springreiter. Team Deutschland konnte insgesamt 15 Medaillen holen. Hier die Übersicht über alle deutschen Medaillen:

Gold-Medaillen:
  • Voltigieren (Herren Einzel - Jannis Drewell)
  • Voltigieren (Team RSV Neuss-Grimlinghausen)
  • Fahren (Einzel - Michael Brauchle)
Silber-Medaillen:
  • Reining (Team)
  • Reining (Einzel - Grischa Ludwig)
  • Springen (Team)
  • Voltigieren (Pas de Deux - Pia Engelberty / Torben Jacobs)
  • Voltigieren (Herren Einzel - Thomas Brüsewitz)
  • Voltigieren (Damen Einzel - Corinna Knauf)
  • Fahren (Team)
  • Dressur (Grand Prix - Kristina Bröring-Sprehe)
  • Dressur (Grand Prix Spécial- Kristina Bröring-Sprehe)
Bronze-Medaillen:
  • Reining (Einzel - Elias Ernst)
  • Voltigieren (Herren Einzel - Viktor Brüsewitz)
  • Dressur (Team)

Mit diesem insgesamt doch versöhnlichen Ergebnis möchte ich die Reit-EM 2015 nun auch beenden. 
 
Liebe Grüße,
eure Steffi.

22. August 2015

EM Aachen 2015: Springen - Mannschaftsentscheidung

Springen 

Nun geht es also um die bekanntliche Wurst - gestern gingen die Mannschaften der Springreiter in die letzte Runde der Teamentscheidungen. Wie ich bereits berichtet hatte, konnte sich kein Team bisher groß absetzen. Das Feld ist nach wie vor eng zusammen gerückt und es ist noch fast alles offen. Zur Erinnerung noch einmal der aktuelle Zwischenstand, bevor es in die Entscheidung geht:
Rang Team Tag 1  Tag 2   Total 
1 Frankreich 5,700 0,000 5,700
2 Niederlande 7,820 0,000 7,820
3 Deutschland 4,400 4,000 8,400
4   Großbritannien   6,990 4,000 10,990 

Nicht einmal ein Abwurf trennt die Plätze 1, 2 und 3. Sollten alle Teamreiter fehlerfrei durch den anspruchsvollen, toll gestalteten Parcours von Parcourschef Frank Rothenberger kommen, wäre das war eine großartige Leistung, jedoch für den Zuschauer weniger mit Spannung erfüllt als gehofft. Aber ich möchte den Teufel natürlich nicht an die Wand malen und schon gar keine unschönen Szenen hervorrufen. Ich erwarte hochkarätigen, fairen Sport mit tollen Runden durch die Soers.

3. Wertungstag - die Entscheidung
Was für ein Herzschlagfinale... spannender hätte es ja gar nicht sein können. Nur leider kann ich direkt vorweg nehmen, hat es für unsere deutsche Mannschaft wieder einmal nicht sein sollen. Wir können zwar sehr zufrieden mit der Silbermedaille sein, jedoch war Gold mehr als drin, was leider den faden Beigeschmack nicht verdrängen kann. 
Aber alles der Reihe nach. Unsere ersten beiden Reiter Meredith und Christian machten ihre Fehler vom Vortag gut und ritten jeweils eine fehlerfreie Runde. Hin und wieder klapperte es mal, aber alles blieb liegen. Somit war eine gute Grundlage geschaffen. Die Franzosen hatten hingegen weniger Glück und fielen durch Abwürfe aller Reiter weit zurück. Umso stärker waren dafür die Niederländer. 
Der jeweils dritte Teamreiter machte es dann spannend. Aber so richtig. Sowohl Ludger Beerbaum als auch der Holländer Jur Vrieling patzten. Ludger riss ein Hindernis und kassierte somit vier Strafpunkte, Vrieling war zu langsam und musste sich mit einem Zeitfehler zufrieden geben. Nun hieß es bangen und hoffen. Es wurde gerechnet, Köpfe rauchten und die verschiedensten Möglichkeiten der Endkonstellation wurden erörtert. Deutschland konnte die Goldmedaille schon greifen, blieben sie nur fehlerfrei. Ein enormer Druck lastete auf unserem Schlussreiter Daniel Deußer. Doch selbst dann müssten die Holländer erneut patzen. Deren Schlussmann Gerco Schröder ist ein starker Reiter, jedoch leider nicht mit seinem Toppferd am Start. Also war es durchaus machbar. Cornet d'Amour und Daniel ritten also rein und starteten ihre Runde. Es lief alles so gut, bis sie zum roten Oxer kamen... und die hintere Stange fiel. Damit war die Silbermedaille unsere - wir mussten einmal vier Strafpunkte zu unserem Punktekonto hinzurechnen, das andere Ergebnis - wie auch immer Daniel und sein Schimmel ins Ziel kommen würden - würde gestrichen werden. Ach, wie schade. So tolle Runden hat unsere Mannschaft gezeigt, doch das Glück sollte einfach nicht vollends auf unserer Seite sein. Umso trauriger oder ärgerlicher wurde das ganze, als der letzte Holländer in seiner Runde so richtig absahnte... nicht nur ein Zeitfehler, nicht nur ein Springfehler, ganze drei Stangen fielen bei seinem Ritt und wir hätten so einfach Europameister werden können. 
Entsprechend enttäuschte Gesichter sah man beim anschließenden Interview mit der deutschen Equipe. Alle freuten sich über den zweiten Platz, doch gerade weil es so knapp an der Goldmedaille vorbei ging, waren auch etwas Wehmut dabei. Vor allem Ludger Beerbaum brachte das dann auf den Punkt. Ich mag ihn seit seiner Wandlung. Er ist entspannter geworden. Wenn es mal nicht klappt, dann ist das so. Früher wirkte er sehr verbissen und beinahe arrogant, wenn er mal nicht gewann. Heute ist er älter und ruhiger... und so brachte er die Situation - Niederlande auf Gold, Deutschland auf Silber - eben ehrlich auf den Punkt. Es war so knapp und hätte gut ausgehen müssen, aber am Ende hatten die Niederländer mehr Glück.
Nichts desto trotz können wir stolz sein auf die Leistung dieser Mannschaft. Sie waren endlich mal wieder mittendrin im Geschehen um die Medaillen. Es ist keine verlorene Goldmedaille, sondern eine gewonnene Silbermedaille. Bronze ging übrigens überraschend an die Schweiz, die sowohl Frankreich als auch Großbritannien hinter sich lassen konnten. 
Rang Team Tag 1  Tag 2  Tag 3  Total 
1 Niederlande 7,820 0,000 1,000 8,820
2 Deutschland 4,400 4,000 4,000 12,400
3 Schweiz 14,230 0,000 4,000 18,230
4   Großbritannien   6,990 4,000 8,000 18,990 

So sah es dann also am Ende aus. Nun ja, nun heißt nach vorne schauen und auf die Einzelentscheidungen hoffen. Dort führt nach drei Wertungsprüfungen der Spanier Sergio Alvarez Moya (1,47 Punkte) vor dem für die Ukraine startenden Cassio Rivetti (2,31) und dem amtierenden Weltmeister und neuem Mannschafts-Europameister Jeroen Dubbeldam (2,68). Ludger Beerbaum hat durch seinen Abwurf ein paar Ränge eingebüßt, liegt jedoch mit 4,75 Punkten immer noch in Reichweite auf Platz 7. Auch für Christian Ahlmann ist noch nicht alles verloren, vorerst mit 5,56 Punkten auf Rang 11 platziert. Meredith Michaels-Beerbaum liegt in der Einzelwertung aktuell auf Platz 14 (6,09) und Daniel Deußer auf Platz 17 (7,09). Es bleibt also immer noch spannend. Am morgigen Sonntag wird es noch einmal zwei Umläufe mit der Möglichkeit auf ein entscheidendes Stechen geben. Um 16:00 Uhr geht's los.

Ludger Beerbaum und Chiara
Bis dahin,
eure Steffi.

21. August 2015

EM Aachen 2015: Springen - 1. und 2. Wertungstag

Springen 
Heute ist es nun soweit. Nach bereits zwei Springprüfungen, die für das Mannschaftsergebnis zählen, wird heute im letzten Teil die neue Europameister-Mannschaft der Springreiter gekürt. Zuvor erhaltet ihr jedoch erst einmal einen Überblick über die Wertungstage 1 und 2.

1. Wertungstag
Bisher haben sich unsere vier Reiter (Meredith Michaels-Beerbaum, Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum und Daniel Deußer) beachtlich geschlagen. Geht man davon aus, dass die letzten Monate leider wenig als Team erritten werden konnte, so waren der Einstieg und auch die zweite Prüfung vielversprechend. Zwar geht es heute noch einmal um alles oder nichts, aber wir sind immerhin noch in Reichweite und nicht bereits weit abgeschlagen, wie es schon öfter vorgekommen ist. 

Am Mittwoch begannen die Springprüfungen mit einer ersten Zeitspringprüfung. Für alle, die nicht so oft Springreiten verfolgen: es wird nach der errittenen Zeit platziert. Der schnellste Reiter gewinnt, die nachfolgenden werden nach ihren Zeiten platziert. Wer einen Abwurf kassiert, bekommt dafür umgerechnet vier Strafsekunden auf seine Zeit addiert. 
Unsere Equipe startete super, Meredith, Christian und Ludger blieben ohne Fehler / Strafsekunden und hatten sehr gute Zeiten. Lediglich Daniel patzte einmal unglücklich und musste mit vier Sekunden mehr Vorlieb nehmen. Im Einzelnen ergab das folgende Platzierungen:

Reiter Pferd Fehler / Zeit Differenz 
zu Platz 1
vorläufige
Platzierung
Meredith Michaels-Beerbaum Fibonacci 0 / 71,85 4,18 11
Christian Ahlmann Taloubet Z 0 / 70,80 3,13 8
Ludger Beerbaum Chiara 0 / 69,17 1,5 2
Daniel Deußer Cornet d'Amour 4 / 73,86 6,19 22

Für das Mannschaftsergebnis gibt es in jedem Durchgang jeweils ein Streichergebnis - damit ist das im direkten Vergleich innerhalb der Mannschaft schlechteste Ergebnis gemeint. Dieses zählt zwar für den einzelnen Reiter, jedoch nicht im Mannschaftsergebnis. Für den ersten Tag war das Daniel's Resultat - die 6,19 Sekunden Abstand zu Platz 1 fallen als Streichergebnis raus. 
Zur Errechnung der Fehlerpunkte für jedes Team wird eine sehr spezielle Rechnung angewandt. Dabei wird der erstplatzierte Reiter (in diesem Fall die Französin Penelope Leprevost) mit 0 Fehlern bedacht. Für alle nachfolgenden Reiter wird folgendes berechnet: zeitlicher Abstand zur Führenden geteilt durch zwei.

Folgendes Beispiel zur Vereinfachung:
Reiter Pferd    Zeit      Diff. zu 
Platz 1
 Ergebnis 
Penelope Leprevost Flora de Mariposa 67,67 0 0
Ludger Beerbaum Chiara 69,17 1,5 0,75
Joe Clee Utamaro d´Ecaussines 69,67 2 1

Somit hat Ludger Beerbaum auf seinem "Punktekonto" nach der ersten Prüfung 0,75 Strafpunkte. Diese erhöhen sich in den nun kommenden Prüfungen um die Springfehler, die er sammelt. Bleibt er in allen Prüfungen fehlerfrei, stehen am Sonntag auch weiterhin die 0,75 Punkte auf seinem Konto - und eine gute Ausgangsposition für eine Einzelmedaille. 
Für die Mannschaft ergibt sich folgendes Ergebnis nach Prüfung 1:  4,18 + 3,13 + 1,5 = 8,81 / 2 = 4,4 Punkte 

Damit führen sie nach Tag 1 mit 4,4 Punkten vor Frankreich (5,7 Punkte), Großbritannien (6,99 Punkte) und den Niederlanden (7,82 Punkte).

2. Wertungstag
Am Donnerstag stand das zweite Wertungsspringen für die Mannschaft an. Auch hier zählten sowohl die Einzelergebnisse im Hinblick auf die Einzelentscheidung am Sonntag als auch die Ergebnisse der jeweiligen Mannschaften. Unsere vier deutschen waren zwar gut, jedoch gab es leider auch bessere Paare. Sowohl Meredith (unglücklicher Fehler am Wassergraben) als auch Christian hatten einen Abwurf. Da nur ein Ergebnis gestrichen werden darf, war also bereits nach zwei Reitern klar, dass wir mindestens 4 Punkte auf unser Konto zu addieren mussten. Was zusätzlich den Druck auf Ludger und Daniel erhöhte. Doch beide glänzten mit Nerven aus Stahl und zeigten saubere, schöne Runden ohne Fehler. 
Sowohl Frankreich als auch die Niederlande konnten ihr Ergebnis halten und mit 3 Nullrunden jeweils aus dieser Prüfung rausgehen. Damit sieht die Mannschaftstabelle nach Tag 2 folgendermaßen aus:

Rang Team Tag 1  Tag 2   Total 
1 Frankreich 5,700 0,000 5,700
2 Niederlande 7,820 0,000 7,820
3 Deutschland 4,400 4,000 8,400
4   Großbritannien   6,990 4,000 10,990 

Man kann sehen, dass die ersten vier Teams immer noch sehr dicht beieinander liegen und sich durchaus noch überholen bzw. zurückfallen können. Ein Springfehler sind 4 Punkte, zwischen Platz 1 (FRA) und Platz 3 (GER) liegen gerade einmal 2,7 Fehlerpunkte, also nicht mal ein Abwurf. Patzen zwei der Franzosen und Deutschland würde fehlerfrei durchkommen, wären wir vor den Franzosen auf Platz 2. Jedoch könnten auch wir noch aus den Medaillenrängen fallen, wenn wir einen Abwurf mehr als das britische Team kassieren. Es bleibt also spannend bis zum Schluss.
In der Einzelentscheidung ist es genauso spannend. 15 Reiter liegen aktuell mit ihren Strafpunkten innerhalb eines Abwurfes und damit 4 Punkten. Ein Abwurf und eine momentan führende Leprevost wäre schlagartig auf Rang 15 anzutreffen. Auch hier könnten die Punkte nicht knapper beieinander liegen. Allerdings folgen hier mit der Teamentscheidung heute insgesamt noch drei anspruchsvolle Springkurse, nach denen erst ein Ergebnis in der Einzelentscheidung gefällt werden kann. Da ist also noch alles drin.

Heute konzentrieren wir uns jedoch erst mal auf die Mannschaften und fiebern ab 17 Uhr mit unseren Teamreitern. Meredith beginnt wieder als erste Reiterin, diesmal als 21. Starterin. Daniel ist wieder Schlussreiter und kommt als drittletzter Reiter ins Stadion. Die zehn führenden Nationen starten in umgekehrter Reihenfolge, daher kommen nach uns jeweils die Reiter aus Holland und Frankreich. 
Weitere Bilder wie gewohnt in der Bildergalerie der Sportschau. Live im Fernsehen übertragen wird die Entscheidung heute übrigens auch: ab 18:05 Uhr bis 19:50 Uhr kann die Entscheidung live in der ARD mitverfolgt werden. Vorab steht der Livestream auf sportschau.de zur Verfügung.

Ich melde mich morgen wieder mit den Ergebnissen der Team-Entscheidung. 

Liebe Grüße,
eure Steffi.

19. August 2015

EM Aachen 2015: Spring-Team

Springen 

Nachdem die Dressurreiter ihre Wettkämpfe mehr oder weniger erfolgreich beendet haben (ich berichtete), sind nun die Springreiter an der Reihe, es besser zu machen.
Wie auch schon zuvor möchte ich auch hier wieder einen kleinen Einblick in die Welt der Springreiter und ihrer Pferde geben. Besonders interessiert mich auch hier wieder das deutsche Nationalteam, die ich zusammen mit ihren Pferden kurz vorstellen möchte.

Los geht's mit dem einzigen braunen Pferd im Team und seinem Reiter: 

Christian Ahlmann und Taloubet Z
Christian wurde am 17.12.1974 in Marl geboren, wo er immer noch lebt. Er kommt aus einer pferdebegeisterten Familie, Vater Georg ist passionierter Trabrennfahrer. Erste Erfolge konnte er mit seinem Schimmel Cöster verbuchen. Leider erfuhr dieser auch die ersten negativen Momente in seiner noch recht jungen Karriere. Gerade auf dem Höhepunkt angekommen, wurde 2008 bei den Olympischen Reiterspielen bei Cöster das Medikament Capsaicin nachgewiesen. Diese "Affäre" brachte ihm neben der Sperre für die nächsten Olympischen Spiele auch eine zweijährige Sperre für alle deutschen Springreiter-Kader-Wettkämpfe ein. Nach seiner Rehabilitation fand er nicht zuletzt durch seine Mäzenin Marion Jauß (Schwester von Madeleine Winter-Schulze) und seine langjährige Lebensgefährtin Judy-Ann Melchior (belgische Springreiterin, ihre Familie führt das berühmte belgische Gestüt Zangersheide) jedoch wieder schnell den Anschluss.

Taloubet Z ist ein 2000 geborener brauner KWPN Hengst mit einem Stockmaß von 1,72 m. 
Er stammt von Galoubet A ab, einem Selle Francais Hengst, mütterlicherseits findet sich der Westfale Polydor in seinem Stammbaum wieder. Der Namenszusatz Z steht für seine Herkunft, das oben bereits erwähnte Gestüt Zangersheide. Zusammen mit seinem Reiter Christian konnte Taloubet bereits viele Turniere gewinnen, darunter 2011 die Global Champions Tour in Estoril und den Großen Preis von Paris. 

Daniel Deußer und Cornet d'Amour 
Daniel wurde am 13.08.1981 in eine Reiterfamilie geboren. Bereits mit 15 Jahren gewann er Springprüfungen der schweren Klasse. Er hat die positiven Einflüsse des Franke Sloothaak genossen, von dem er sich auch seinen unverkennbaren Stil abgeschaut hatte. Ab 2006 war er im Stall von Jan Tops angestellt, wechselte jedoch 2012 in die Stephex Stables in Belgien. Er wurde 2013 deutscher Meister der Springreiter und als Teil der EM-Mannschaft konnte er Silber in Herning erreiten. 2014 gewann er das Weltcupfinale und verteidigte seinen Meisterschaftstitel erfolgreich mit einem Jungpferd.

Cornet d'Amour ist ein 2003 geborener Westfalenhengst. Der Schimmel stammt vom fast schon legendären Cornet Obolensky ab. Mit Daniel war er bereits 2014 Teil der deutschen Springreiter-Equipe der Weltreiterspiele in der Normandie (Caen). Die beiden konnten im Einzel den 6. Rang und mit der Mannschaft den 4. Platz erreiten. Bei der EM in Herning wurden sie 5. im Einzel und 2. mit der Mannschaft. 

Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci
Die gebürtige Amerikanerin wurde am 26.12.1969 in Los Angeles geboren und lebt seit 1991 in Deutschland. Sie ist seit 1998 mit Markus Beerbaum verheiratet. Ihre bekanntesten Pferde sind / waren Shutterfly und Checkmate, Quick Star, Stella und Bella Donna (verkauft), mit denen sie viermal den Meistertitel, sowie zahlreiche Medaillen und hochkarätige Siege erritt.
Fibonacci ist ein vermögend springender schwedischer Schimmelwallach, der 2005 geboren wurde. Mit seinen 1,69 m hat er bereits einige beachtliche Erfolge mit seiner Reiterin Meredith erreichen können. Nacho, wie er im Stall genannt wird, stammt von For Feeling, einem direkten For Pleasure-Sohn ab. Mütterlicherseits ist in der 3. Generation der berühmte Cor de la Bryère zu finden. Bestes Springblut vereint sich somit in diesem quirligen Pferd.

Ludger Beerbaum und Chiara
Niemand polarisiert in der deutschen Springreiterszene so sehr wie der am 26.08.1963 geborene Ludger Beerbaum. Er begann seine Ausbildung im Stall von Paul Schockemöhle, wechselte jedoch bald in einen anderen Stall und startete bereits 1995 in Riesenbeck seine Selbstständigkeit. Seit jener Zeit stehen ihm auch die wohl größten Unterstützer des Reitsport Dietrich Schulze und seine Frau Madeleine Winter-Schulze zur Verfügung. Er war seitdem fast immer bestens mit guten Pferden aufgestellt, was man an seinen zahlreichen Siegen, Platzierungen und Titeln sehen kann. So wurde er 1996 und 2000 Mannschafts-Olympiasieger, 1998 Mannschafts-Weltmeister, fünfmal deutscher Meister sowie dreimal Sieger der Riders Tour, um nur einige wenige zu nennen. Viel hat Ludger dabei seinen zahlreichen, absolut tollen Vierbeinern zu verdanken. Diese waren: Goldfever, L'Espoir, Champion du Lys, Classic Touch, Gladdys S, Priamos, Couleur Rubin, vor allem aber die fabelhafte Ratina Z. Auch Ludger blieb nicht verschont von Dopingvorfällen. 2004 wurde Goldfever während der olympischen Spiele in Athen positiv auf ein verbotenes Medikament getestet. 2005 erfolgte die nachträgliche Disqualifikation des Paares, was die Herabstufung auf den 3. Rang für die Mannschaft zur Folge hatte. Sie mussten somit Gold abgeben und erhielten dafür die Bronzemedaille. Mittlerweile hat er sich jedoch zu einem renommierten Geschäftsmann entwickelt, der zusammen mit seinem Team (u. a. Henrik von Eckermann und Philipp Weishaupt als Bereiter) und dem Reitverein aus Riesenbeck eine wunderschöne, groß angelegte, moderne Reitanlage erschaffen hat. Dort finden nun regelmäßig Turniere, Lehrgänge und Weiterbildungsmaßnahmen rund um das Pferd statt.

Chiara ist sein diesjähriges Championatspferd. Die 2003 geborene Schimmelstute aus Holstein misst 1,73 m und konnte bereits 2013 zur EM in Herning ihre Stärke unter Beweis stellen. Trotz ihres damals noch jungen Alters überzeugte sie und konnte zum Gewinn der Bronzemedaille beitragen. 2014 wurden sie zweite im Weltcup-Finale und konnten weitere Erfolge verbuchen. 

Reservisten: Janne-Friederike Meyer und Goja
Meine persönlichen Favoriten sind Janne-Friederike Meyer und ihr Goja. Die verrückte Hamburgerin ist eine meiner Lieblingsreiterinnen, weshalb ich auch ihr ein paar Sätze widmen möchte. Sie wurde am 12.01.1981 geboren und betreibt nach erfolgreichem Fernstudium (Manager im Pferdesport) einen Turnierstall in Hamburg. Ihren größten Erfolg hatte sie 2011 mit ihrem "Mops", Cellagon Lambrasco, im legendären Großen Preis von Aachen. Das Bild, was sicher viele kennen, als sie bereits über dem letzten Sprung die Arme hoch reißt und die Zügel fallen lässt - ein absoluter Gänsehautmoment. Weiterhin wurde sie viermal Deutsche Meisterin, Mannschafts-Europameisterin sowie Mannschafts-Weltmeisterin. Ihre freundliche, immer offene Art macht sie zu einer der Sympathieträger im deutschen Team. 

Goja ist ein noch recht junger (2006 geboren) belgischer Warmblutwallach. Der Fuchs hat zwar bereits mit Janne einige Turniere bestritten, kann jedoch noch nicht die Erfahrungen eines Taloubet oder Cornet d'Amour vorweisen. Das hält ihn aber nicht davon ab, für seine zierliche Reiterin alles zu geben. Wie eine Bank konnten die beiden bereits so einige Toppaare übertrumpfen und sich somit als Reservisten für das Springteam empfehlen. Goja stammt vom belgischen Hengst Wandor v.d.Mispelaere ab. Dieser ist ein Sohn des Oldenburgers Landor S (Landadel) und Sister Pleasure Mispelaere (For Pleasure). Mütterlicherseits findet sich in dritter Generation mit Quidam de Revel ein weiteres Kronjuwel französischer Sportpferde.  

Heute geht es los mit der ersten Wertungsprüfung. Die Ergebnisse gibt es in den kommenden Tagen wie gewohnt hier, bei mir im Blog.

Bis dahin, 
eure Steffi. 

18. August 2015

EM Aachen 2015: Alles Dressur oder was?


Dressur
Was war das denn für ein turbulentes Wochenende? Da bin ich nichtsahnend abwesend ohne soziale Medien, Fernsehen, Internet-Livestreams & Co und da passiert sooo viel? Wahnsinn... 

Ich versuche mal, meine Gedanken zu sammeln. Fangen wir beim Sorgenkind Nr. 1 an: Totilas. Einlieferung in eine Tierklinik. Das hatte ich ja noch mitbekommen. Und war auch irgendwie klar. Was wollten die Besitzer, Verantwortlichen und alle anderen auch machen, nachdem der erste und einzige Auftritt bei dieser EM so miserabel endete? Da dachte man erst noch, die Richter hätten Pflaumen auf den Augen und hat sich eigentlich von den doch auch guten Bewertungen blenden lassen und sah nicht, dass dort ein Pferd im Viereck unterwegs war, was mehrfach Taktunreinheiten in der Hinterhand zeigte. Beim zweiten Schauen fielen mir diese auch auf - und das will schon was heißen. ;) Nein, Spaß bei Seite, denn hier hat er nichts verloren. Wirklich schlimm sind da folgende Fakten: 
Die Richter sehen die Taktunreinheiten (oder auch nicht) und lassen das Pferd weiterhin laufen und die Prüfung beenden. Warum? Auf jedem ländlichen oder auch größeren Turnier wäre das Paar abgeklingelt wurden. Ist doch eine Taktunreinheit meist die Vorstufe eine Lahmheit und somit Schmerzen für das Tier. Aber es ist ja der Totilas, da kann man das durchgehen lassen. Kann man? Anscheinend.
Nächster Fauxpas (?): man hört durch, dass es wohl bereits beim Vet-Check Diskrepanzen zwischen Tierärzten und zu begutachtenden Richtern gab? Ob das stimmt sei mal dahin gestellt. Wenn dem so ist, frage ich mich, warum man dort überhaupt Tierärzte einsetzt, wenn sie in ihrer Meinung übergangen werden und die Stimme des Richters überwiegt. Da kann man sich die Mediziner ja sparen. 
Aber es geht noch weiter. Für die Dressur sind ja bekanntlich drei Prüfungen angesetzt: Grand Prix (Mannschaftswertung), der Special sowie die Kür. Doch bei Totilas war man angeblich eh nur von maximal zwei Wertungen ausgegangen. Die Kür hat kaum jemanden vom Trainerstab interessiert. Da muss ich mich doch ernsthaft fragen, warum man ein Pferd für eine Mannschaft nominiert, obwohl man weiß, dass es keine drei Wettbewerbe durchhält. So eiskalt kalkulieren muss man erstmal. Es zählte anscheinend nur das Mannschaftsergebnis, wo man mit einer Benotung jenseits der 80 % gerechnet hatte... Hmmm, wie schade, dass so mancher Richter da doch nicht ganz so viele Pflaumen sah und die Taktunreinheiten und andere Kleinigkeiten entsprechend abwertete. Für mich ist sowas ein absolutes No Go. Durch solche Entscheidungen wurden gute Reiter-Pferde-Paare um ihre Teilnahme an der EM gebracht. Ob überhaupt jemand der Obrigkeiten Interesse an den Einzelmedaillen hatte? Oder hat einzig und allein das nicht verteidigte Mannschafts-Gold gezählt? Wie ärgerlich, dass die Rechnung doch nicht aufgegangen ist. Nein, mir tun einzig die Beteiligten leid, die drei Mädels, die vom vermeintlichen Ruhm und Rummel um Totilas erdrückt wurden und trotz guter Leistungen "nur" mit Bronze belohnt wurden. Da zeigt sich nun einmal wieder, was Geld und Macht alles erreichen kann. Auch wenn es sich diesmal doch nicht ausgezahlt hat. Man munkelt vom Karriereende des schwarzen Wunderhengstes... ein Knochenödem im Hinterhuf ist Schuld daran, doch was am Ende draus wird, müssen die Besitzer und Geldgeber nun entscheiden. Ob sie diesmal den richtigen, für das Pferd besten Weg wählen? Wir können gespannt sein.

Aber nicht nur im deutschen Lager gab es Aufreger... der zweite große Aufschrei an diesem Wochenende galt dem schon mehrfach in der Kritik stehenden Vorreiter des Totilas (der ihm zu dem gemacht hatte, was er vor seinem Stall- und Besitzerwechsel wurde) - Edward Gal. Er wurde in der Kür abgeklingelt. Der Grund dafür war ein Regelverstoß - sein Pferd Glock's Undercover hatte sich sichtlich nervös, spannig und hibbelig auf die Zunge gebissen. Durch das sichtbar werdende Blut (durch die Schaumbildung im Maul) wurde er letztendlich vom Richter aufgefordert, die Prüfung abzubrechen und erhielt eine Disqualifikation. Das Wohl des Pferdes geht vor. Tut es das wirklich? Nach diesem unansehnlichen Augenblick im Viereck wurden viele Stimmen laut, es kamen Fotos und sogar Videos zum Vorschein die eben jenes Paar tags zuvor auf einem abgelegenen Trainingsplatz zeigten. Die zeigten, wie groß anscheinend die Auslegung einer Regel ist. Die Regel, dass man diese angeblich nicht schädigende Hyperflexion, wie die Rollkur (oder auch Low-Deep-Round - zwar soll dies etwas besser und schonender für das Pferd sein, hat aber am Ende den selben Zweck: das Pferd wird zusammengepfercht durch die Reiterhand) auch heißt, nicht länger als 10 Minuten praktizieren soll und darf. Gal hielt sich an dieses zeitliche Limit scheinbar. Nach gut 10 Minuten engstem LDP-Reiten gönnte er seinem Undercover eine Verschnaufpause im Schritt, doch danach ging es von vorn los. Zügel kurz, Beine ran, Maul auf die Brust gedrückt und gib ihm. Mit fairem Reitsport hat sowas wenig zu tun. Und Undercover hat das einzig richtige getan, indem er im Viereck einmal nicht die Nerven behalten hat, sondern sich in seiner ganzen Nervosität dem Publikum präsentiert hat. Vielleicht helfen diese Bilder dem Umdenken im Dressursport.

Was gab es sonst noch? Eine Anna Kasprzak, die lieber doch ins Krankenhaus ging, anstatt ins Viereck zu reiten. Vorausgegangen war wohl ein Tritt ihres Pferdes Donnperignon, den sie im Brustbereich erlitt. Auch wenn das bereits vor Tagen zum Vet-Check passierte, hat sie nun doch die medizinische Versorgung gewählt. Warten wir ab, was da rauskommt.

Nach all diesen doch negativen Geschichten gab es aber auch Positives zu vermelden. Tolle Runden der deutschen Debütanten Jessica von Bredow-Werndl und Unee BB, schön anzusehenden, lockeren, entspannten Dressursport der Ladies ganz vorn - Dujardin, Bröring-Sprehe, Ferrer-Salat. Auch Isabell Werth konnte gut abliefern, auch wenn sie sich im Special kurz verritt. Sie konnte danach drüber lachen, was will man also mehr. Passiert ist es ja eh. 

Bleibt nur noch abzuwarten, wie die Dressurszene auf diese gebündelten Fehlschläge reagiert. Handlungsbedarf ist allemal da. Bis 2016 (Olympische Spiele in Rio de Janeiro) muss viel überlegt und geändert werden. Es müssen die schönen Momente überwiegen. Dass etwas negatives passiert, lässt sich bei solche emotionsgeladenen Lebewesen nicht vermeiden, jedoch dürfen alle Faktoren zusammen nicht so ein schlechtes Bild über diesen Sport werfen. Dass er durchaus schön sein kann, haben die Medaillengewinner und alle anderen eindrucksvoll gezeigt. Es gibt sie noch: die Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Auch im Profisport, auch bei einer EM, auch in Aaachen.

Einen interessanten Artikel zu diesen Themen findet ihr hier: Welt
Und wieder tolle Fotos sind hier zu finden: St. Georg

Ab Mittwoch sind dann die Springreiter an der Reihe. Mal schauen, ob sie es besser machen oder ob da genauso viel Redebedarf herrscht. 


Liebe Grüße,
eure Steffi.

17. August 2015

EM Aachen 2015: Dressur - Team-Entscheidung Teil 2

Dressur
Und weiter geht's (wenn auch etwas verspätet), mit dem zweiten Teil der Team-Entscheidung im Dressurviereck. 

Wie schon im ersten Teil möchte ich zuerst die Reiter-Pferd-Paare wieder vorstellen. Beginnen wir mit dem lackschwarzen Dressurwunder schlechthin.

Matthias Alexander Rath und Totilas
Kein Dressurpaar polarisiert so sehr wie das Gespann Rath - Totilas. Der Hengst, der für Aufsehen sorgte hatte als erstes Dressurpferd überhaupt einen wahrscheinlichen Verkaufspreis im zweistelligen Millionenbereich (die Angaben gehen von 10 bis 15 Mio EUR aus) erreicht. 
Matthias wurde am 02.08.1984 geboren und wuchs in einer erfolgreichen Reiterfamilie auf. Seit 2008 wurde er immer wieder im Championatskader berufen. Dies erreichte er hauptsächlich durch die ihm von seiner Schwiegermutter Ann-Kathrin Linsenhoff zur Verfügung gestellten Pferde Renoir Unicef und Sterntaler Unicef. 2011 schloss er sein BWL-Studium ab und strebt seitdem eine Bereiterprüfung an.
Seit der Übernahme von Totilas ist Matthias zunehmend in Kritik geraten. Neben der höchst umstrittenen Trainingsmethoden wurden auch die immer wieder abgesagten Turnierstarts aufgrund von Krankheiten von Pferd und Reiter immer wieder kritisch bewertet. 
Totilas - der Name ist Programm, könnte man meinen. Leider hat der 2000 geborene, 1,70 m große Rapphengst aus den Niederlanden seit seinem Reiterwechsel von Edward Gal zu Matthias wenig überzeugen können. Was zu Beginn der Zusammenarbeit noch als "Findungsphase" benannt wurde, erntete bald mehr Kritik als den gemeinsamen Besitzern Paul Schockemöhle und Ann Kathrin Linsenhoff wohl lieb war. Die zuvor sicherlich gut gemeinten Merchandising-Artikel (Totilas-Tassen, Shirts und was es sonst noch alles gibt) und der damit verbundene Rummel der Medien brachten das Paar zunehmend in Zugzwang. Seit 2010 befinden sie sich in einem Wechselbad der Gefühle. Nach ersten Erfolgen zwangen Verletzungspausen Totilas und seinen Reiter immer wieder von vorn anzufangen. Nicht zuletzt durch die umstrittene Haltungsweise des Hengstes (keine Koppelgänge aus Angst vor Verletzungen) und vor allem die mehr als denkwürdigen Trainingsmethoden des Trainers Sjef Janssen führten zu einem beinahe Kollaps. Es lastete viel Druck auf den Schultern von Rath. Totilas veränderte sich, er lief immer unzufriedener, zeigte Widerstand und fing an, ungleich zu laufen. Das angeblich bis zu einem gewissen Punkt eingesetzte Low, Deep and Round, auch als Rollkur bekannt, zeigte scheinbar doch eine eher negative Wirkung. Das gesamte Team steht zwar weiterhin hinter dem Training. Jedoch waren nach der fast zweijährigen Verletzungspause einige Änderungen sichtbar. Totilas läuft immer noch nicht wieder so, wie man es mal kannte von ihm, jedoch kann man hin und wieder Anzeichen von Lockerheit erkennen.
Ich bin besonders auf diesen Ritt gespannt, denn von diesem Paar bin ich leider kein Fan mehr. Dazu sind einfach die anderen Reiter meiner Meinung nach sympatischer und nicht so verkrampft im Umgang mit ihren Pferden. Wahrscheinlich nicht zuletzt auch, weil eben nicht dieser enorme mediale Druck auf ihnen lastet. Und sie mit ihren Leistungen durchgehend überzeugt haben. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich die Entscheidung, Matthias und Totilas ins EM-Team zu berufen, nicht befürwortet habe. Dazu gibt es momentan eigentlich zu viele Paare, die über die gesamte letzte Saison hinweg konsequent gute Leistungen abgerufen haben, jedoch dafür nicht belohnt wurden. Totilas hat in seinem bisher einzigen, deutschen Start in Hagen a.T.W. zwar vor allem die Richter überzeugt, jedoch rechtfertigt dieser eine gute Turnierstart meiner Meinung nach nicht den Start für das deutsche Team bei der EM. Warten wir also ab, wie es heute läuft für die beiden.

Kristina Bröring-Sprehe und Desperados FRH
Kristina wurde am 28.10.1986 geboren. Sie stammt aus einer pferdebegeisterten Familie, die allerdings vor allem durch das Geschäft Sprehe Feinkost bekannt ist. Sie hat nach dem Abitur ein BWL-Studium abgelegt und dieses Jahr im Juni ihren langjährigen Lebensgefährten geheiratet; daher auch der neue Doppelname Bröring-Sprehe.
Seit 2010 hat sie Desperados unter dem Sattel und konnte seitdem bereits viele, tolle Erfolge verbuchen. Seit 2011 sind die beiden im A-Kader der deutschen Dressurreiter und konnte seither viele Prüfungen mit 80 % und mehr gewinnen. Mit Dorothee Schneider und Helen Langehanenberg gewann sie bei den Olympischen Spielen in London die Mannschafts-Silbermedaille, in Herning gewann sie 2013 mit Isabell, Helen und Fabienne Lütkemeier die Europameisterschaften mit der Mannschaft. Jenes Team gewann 2014 die Goldmedaille bei den Weltreiterspiele in der Normandie. Das Highlight in diesem Jahr ist bisher der Gewinn der deutschen Meisterschaft der Damen.
Desperados FRH ist ein 2001 geborener, 1,70 m großer Rapphengst vom Hannoveraner Verband. Er stammt väterlicherseits von De Niro, einem der wohl bekanntesten Donnerhall Söhne, mütterlicherseits sind Wolkenstein und Weltmeyer zu nennen. Desperados FRH war Prämienhengst der hannoverschen Dezember-Körung 2004 in Verden und gewann Doppelbronze bei den Bundeschampionaten 2004 und 2005 in Warendorf. Seit 2011 konnte er mit Kristina im Sattel zahlreiche Prüfungen gewinnen und sich gut platzieren können. Die beiden sind meiner Meinung ein sehr harmonisches Paar, passen optisch toll zueinander und haben eine intensive Partnerschaft aufgebaut. Einzig ihr letzter Auftritt, den ich gesehen habe, hat mir nicht gefallen. In Hagen a.T.W. waren die beiden dieses Jahr zwar erneut erfolgreich, jedoch wirkte Desperados deutlich angespannt und Kristina hatte alle Hände voll zu tun, ihn unter Kontrolle zu halten. Die klar sichtbaren Zügeleinwirkungen waren ein sehr ungewohntes Bild. Mal schauen, wie die beiden ihre erste Prüfung vor der unglaublichen Kulisse mitten in der Aachener Soers heute abend meistern.

Erster Auftritt der Paare
Sooo, nach drei von vier Reitern liegen wir momentan noch in Führung. Soviel kann ich schon mal sagen. Aber der Reihe nach und somit erst einmal der Ritt von Matthias und Totilas.
Der Beginn war gut, Einritt, Halten, Grüßen. Das kann er und da steht er auch einfach top. Anreiten gelungen, erste Trabtour war okay. Der erste Eindruck war etwas spannig meiner Meinung nach. Aber ich habe ihn auch schon schlimmer gesehen. Das Rückwärts richten hat mir bisher am besten von allen drei Reitern gefallen. In der Piaffe fehlte zum Schluss hin der Schwung, da ist er beinah rückwärts gegangen, was natürlich nicht sein darf. Ich denke, da hat ihn Matthias zu sehr auf der Stelle halten wollen. Der starke Trab hatte einen sehr faden Beigeschmack... irgendwas stimmte da nicht so ganz. Wie auch der Kommentator sagte, sah das in der Hinterhand sehr unrein aus und nicht im Takt.
Die Galopptour fing solide an, die leider auch nicht immer sitzenden Zweier-Wechsel waren gut durchgesprungen, das konnte sich sehen lassen. Die Verstärkung des Galopps war schwung- und kraftvoll und vor allem aus der Hinterhand. Die Zick-Zack-Traversale kam gerade und nur minimal schwankend. Dafür hat er leider wie so oft den Einstieg in die Einerwechsel verpatzt, was sicherlich am Ende ein paar Pünktchen gekostet hat. Zum Ende hin wurden sie etwas kurz, sicherlich als Konsequenz aus den ersten beiden missglückten. Dafür waren die Pirouetten gut, aber auch noch ausbaufähig. Die letzte Piaffe zeigte erst erneut leichte Rückwärts-Tendenzen, doch zum Schluss raus was sie doch sehr schön gelungen, ebenso wie die Übergänge in der Trabtour. Jedoch auch hier jetzt deutliche Taktunreinheiten in der Trabverstärkung
Für das Ganze gab es am Ende 76,086 Prozentpunkte (am Ende sogar noch einmal korrigiert auf 75,971 %). Zwar habe ich keine Ahnung vom Richten, jedoch ist diese Bewertung etwas gewöhnungsbedürftig. Die Richter untereinander waren sich so gar nicht einig, was sie von dem Ritt halten sollten. Zwei Richter sahen das Paar auf Platz 1 (als erstes Paar mit über 80 % bewertet), zwei weitere nur auf Platz 11. Diese Spanne fand ich schon sehr groß. Sowas darf in einer Prüfung dieses Kalibers nicht passieren.
Nun gut, dann warten wir mal ab, was Kristina aus diesem sehr knappen Vorsprung macht. Aktueller Stand: GER (226,186) vor NED (225,800) und GBR (221,143)

Und da kamen sie auch schon, unsere Hoffnungsträger auf EM-Gold für die Mannschaft. Als letzte Starterin im Feld mussten nun Kristina Bröring-Sprehe und Desperados alles rausreißen. Doch das war schwerer als vielleicht gedacht. Zuvor hatten die Cracks der Dressurszene abgeliefert - das Top-Paar Dujardin - Valegro hatten zwar gezeigt, was in ihnen steckt, jedoch haben das auch schon besser gesehen. Zwar sahen wir ebenfalls Patzer in den Wechseln, jedoch war der Rest überzeugend. 
Der Beginn war toll, erfrischender starker Trab, solide geritten, ebenso wie die Trab-Traversalen. Leider stand Desperados dann beim Halten, bevor es ans Rückwärts Richten ging, offen - sowohl vorn als auch hinten. Die Passage war gut, in der Piaffe jedoch leider ein fast Totalausfall zum Schluss. Die Hinterhand hatte einen Taktverlust und stand dann kurzzeitig komplett bevor es ruckelig wieder in die Passage ging. Das gleiche Spiel im zweiten Teil der doppelt bewerteten Piaff-Passage-Tour. Schade. Dafür war die Galopptour gut, die Wechsel gelangen gut, lediglich die Zick-Zack-Traversalen waren fehlerhaft. Da hat Kristina statt der erwarteten sechs Galoppsprünge von einem Galoppwechsel zum nächsten einmal nur fünf gemacht und entscheidende Punkte liegen lassen. Die Schlusslinie war dann wieder besser, konnte die zuvor verlorenen Punkte jedoch bei weitem nicht mehr einholen. Am Ende standen 79,986 % statt den benötigten 84,459 % auf der Anzeigetafel und damit gewann unsere Dressurequipe Bronze. Den Sieg holten die Niederländer mit einer starken Mannschaftsleistung vor Großbritannien. Eine Charlotte Dujardin allein kann eben auch keine Mannschaft zu Gold führen. Nach den jeweiligen Streichergebnissen sah das Endergebnis wie folgt aus: NED (235,629) vor GBR (234,229) und GER (230,914). 

Man könnte nun enttäuscht sein, jedoch ist es eine Medaille geworden, mit der vielleicht nicht alle gerechnet haben. Und diese neu zusammengewürfelten Mannschaft hatte es auch nicht leicht. Sie mussten den Wegfall des Toppaares Helen Langehanenberg und Damon Hill kompensieren. Ebenso musste Isabell Werth auf ihr Toppferd Bella Rose verzichten. Dafür haben sich vor allem Jessica von Bredow-Werndl meiner Meinung nach beachtlich geschlagen und eine tolle Leistung abgeliefert.

Liebe Grüße,
eure Steffi