Ein Leben ohne Hund ist machbar, aber lohnt sich nicht. (Loriot)
"Eine Rasseliste ist im Kontext der Hundehaltung eine Liste von Hunderassen, die rassebedingt als gefährlich angesehen werden oder deren Gefährlichkeit vermutet wird („Kampfhunde“, gefährliche Hunde). Von den Rasselisten erfasste Hunde werden als Listenhund bezeichnet; für ihre Haltung gelten verschiedene Einschränkungen, die sich je nach örtlichen Gegebenheiten unterscheiden können. [...] Neben einem Verbot der Haltung gewisser Rassen sind rassespezifische Einschränkungen bei der Haltung möglich. Auf den Halter bezogen kann dies beispielsweise Volljährigkeit, Vorlage eines Führungszeugnissesoder die Pflicht zum Ablegen einer Sachkundeprüfung („Hundeführerschein“) bedeuten. Bei der Haltung können weitere Sonderregelungen wie Leinenzwang, Maulkorbpflicht, Chippflicht, Versicherungspflicht, Genehmigungspflicht, Gebot der Unfruchtbarmachung, Pflicht zur sicheren Umzäunung des Besitzes, auf dem der Hund gehalten wird, oder Ablegen eines Wesenstests für Hunde vorgeschrieben sein."
Cesar Millan's 'Junior'
Diese Definition lasse ich jetzt einfach mal im Raum stehen. Jedoch ist es für mich eine absolute Frechheit, Hunde in Rasselisten einzuteilen und diese so wirksam zu verbreiten, dass Menschen regelrecht Angst vor diesen Hunden bekommen.
Für mich absolut unverständlich, warum
man sich beim angeblich besten Freund des Menschen auf so niedriges Niveau
herablässt, wie man es bereits hatte und nie wieder haben wollte. Ich erinnere nur an den
Judenhass der Nationalsozialisten, die Rassentrennung in den USA und viele
weitere unmenschliche Erniedrigungen. Viele wurden bereits vor Jahren
aufgehoben, teilweise sogar verboten. Weil sich die Betroffenen gewehrt haben.
Und das zu Recht. Doch Hunde können sich nicht wehren. Hunde haben nur den
Menschen, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Hunde können nicht sprechen, sie tun
das, was der Mensch ihnen lehrt. Und genau hier liegt das Problem.
Das Hunde mit
"schlechten" oder gar gefährlichen Genen geboren werden, ist nur die halbe
Wahrheit. Es gibt Zuchtlinien mit Veranlagungen, die eine Negativentwicklung
begünstigen. Doch diese bilden überwiegend die Ausnahme. Wenn man jedoch in der
Hundezucht mehr Wert auf ein hübsches Köpfchen, schicke Pfötchen, ein
schmales Bäuchlein und tolles Fell legt, fallen Wesensmerkmale eben hinten
runter. Modezuchten nennt man diese Züchtungen. Ein Kind, was nur auf Schönheit, Fashion und Lifestyle gedrillt wird,
ist meist im Erwachsenenalter nicht in der Lage, in einfachen Verhältnissen etwas zu erreichen. Wozu auch, wenn es Mami und Papi mit viel Geld und
Goldkettchen gibt. Verzogen könnte man diese Kinder nennen. Und genauso verhält
es sich mit Hunden. In den ersten Wochen nach ihrer Geburt findet bei
Tierbabies die Prägung und Sozialisierung statt. Ein Grund, warum Hunde erst ab 12 Wochen von ihrer Mutter
getrennt werden sollten. Sie gibt ihnen das Wichtigste mit auf den Weg und bereitet sie
auf die neue Welt vor. Ist der Welpe ein Produkt von geldgierigen
Züchtern, die Inzucht betreiben und aggressives Verhalten von Mutter und Vater fördern, muss
man leider davon ausgehen, dass auch der Welpe nicht die beste Erziehung
bekommt und ein höheres Aggressionspotential und eine niedrigere Reizschwelle
aufweist.
Fakt ist: viele Probleme sind
hausgemacht. Was der Besitzer seinem Hund beibringt, macht er auch. Wenn sein Besitzer der
Meinung ist, man muss ihn auf alles und jeden hetzen, was sich bewegt, atmet oder was auch immer - was kann der Hund dann dafür? Der Hund weiß nicht,
was gut und was böse ist. Der Hund weiß nicht, ob es richtig ist, jemanden zu
beißen. Wenn er dafür von seinem Herrchen oder Frauchen belohnt wird, hat er in seinen Augen alles
richtig gemacht. Wenn ich mein Kind lobe, wenn es andere Kinder schlägt, wird
es das immer wieder machen. Mami hat sich ja darüber gefreut. Hunde sind
genauso.
Warum ich mich so für das Thema
interessiere? Ich habe vor einiger Zeit angefangen, mich nach Hunderassen
umzuschauen, die meinen Ansprüchen entsprechen. Ich suche für später einen
Hund, der mit in den Stall kommt, mit ins Gelände oder auf den Reitplatz geht,
gern Spaziergänge macht, aber auch mal einen faulen Tag auf der Couch
verbringt. Kurzes Fell, nicht zu groß, nicht zu klein. Ruhiges, verschmustes
Wesen. Und was kam bei raus: Pitbull, Staff & Co. Die gefährlichen Rassenhunde.
Ich könnte platzen, wenn ich diese Bezeichnung lese. Und ich könnte platzen,
wenn Menschen die Straßenseite wechseln, wenn sie einen von ihnen sehen. Warum?
Weil den Menschen ein falsches Bild dieser Hunde vermittelt wurde. Durch eben
diese Listen. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf die doch recht aussagekräftigen „Beißstatistiken“ hinweisen. Ein Wunder, dass sie überhaupt
noch publiziert werden dürfen. Denn sie sagen ja die unverblümte Wahrheit. Und die ist
eigentlich unschön für die vielen Listenhunde-Gegner. Sie sagt aus, was
viele schon längst wissen: die ach so gefährlichen Listenhunde sind gar nicht
so gefährlich. Krass. Da muss doch jemand etwas manipuliert haben, möchte man
meinen. Aber nein, alles richtig so, denn es bescheinigt die Realität. Die „Rasselisten“ sind veraltet und haben keinerlei Sinn mehr. Ganz
vorn liegen nämlich die ungefährlichen Rassen wie Deutscher Schäferhund,
Dackel und Retriever inklusive der lieben Knutschkullern Labrador und Golden
Retriever. Dazu mal mein persönlicher Favorit aus der Presse, ein Artikel von Lumpi4.de vom 21. Juli 2013:
„Die aktuelle Beißstatistik Berlins – wer hätte das gedacht: Die “Kampfhunde” sind gar nicht “böse”
Gerade hat die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling die neue Beißstatistik veröffentlicht. Und siehe da: Die “bissigsten” Hunde (solche, die Menschen laut Statistik “angesprungen und/oder verletzt” haben – was, wie jeder Hundefreund weiß, ein weiter Raum ist) sind nicht etwa die Pitbulls, sondern die Deutschen Schäferhunde, die 75 Mal auffällig geworden sind (was damit zu tun haben dürfte, dass sie noch immer die häufigsten Hunde in Deutschland sind – außer dem Mischling. Der hat sich gleich 265 Mal unbeliebt gemacht. Dann kommt der Rottweiler (29 Mal), dicht gefolgt vom kämpferischen Jack Russell Terrier (22 Mal), dann – wer hätte das gedacht – die Golden Retriever und Labradore: 19 Mal, was ebenfalls mit der Retriever-Dichte zu tun haben dürfte. Dobermann und Dackel geben einander nichts – 13 Mal haben sie jemanden “angesprungen und/oder gebissen” – der Rest verschwimmt gleichmäßig.
Interessant ist an der Liste, dass Golden Retriever oder Labradore im Verhältnis recht häufig in Hunde-Auseinandersetzungen verwickelt sind: 23 Fälle wurden hier gemeldet, 22 Mal bissen sich American Staffordshire Terrier mit anderen Hunden, Schäferhunde 62 Mal, Mischlinge 125 Mal. Dackel beißen lieber Menschen als andere Hunde (4 Mal), dafür scheinen auch Boxer in der Hund-zu-Hund-Kommunikation wenig Humor zu haben: 15 Mal wurden Beißereien mit ihnen in Berlin gemeldet.
Allerdings kann man stark davon ausgehen, dass Hunde-Beißereien bei kleineren Hunden nicht gemeldet werden. Sowieso meldet man Beißereien doch wohl nur dann, wenn sich der Hundebesitzer, dessen Hund “angefangen” hat, anschließend wie ein Idiot aufführt, oder der eine Nachbar den anderen eben nicht leiden kann.
Jedenfalls haben wir hier schwarz auf weiß, dass die so genannten “Rasselisten” willkürlicher Unsinn sind. Wissenschaftliche Gutachten und auch die aktuelle Beißstatistik bestätigen längst, dass sie nicht zu rechtfertigen sind. Die Zahl der Hundeattacken hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. 655 Mal wurden Menschen angesprungen oder verletzt, 25 Mal waren Listenhunde beteiligt. Im Jahr zuvor waren das Verhältnis 674 zu 24.
Hier der Link zur vollständigen Statistik: http://www.gruene-fraktion-berlin.de/sites/default/files/ka17-12235%20Beißstatistik.pdf"
Diesem ist absolut nichts
hinzuzufügen. DSH führen immer die Beißstatistiken an, egal in welchem
Bundesland. Das man so wenig von Dackel oder Labrador liest, liegt wohl eher an
der Tatsache, dass man seinen ach so lieben Dackel nicht in der Stadtpresse
wiederfinden möchte. Außerdem macht es doch viel mehr Spaß, eine reißerische
Story über einen fiesen, gemeinen, bösartigen Listenhund zu schreiben, gespickt
mit einem Bild eines garstig dreinschauenden Pitbulls oder Staffs.
Ein paar Sätze noch zum
Thema „Hundesteuer“, die den Irrsinn dieser Rassenthematik
absolut auf die Spitze treiben. Neulich gab es einen Bericht in der Bild, der
aufzeigte, wie unterschiedlich die Kommunen die Hundesteuer ansetzen. Und da
jede Kommune eigenständig verantwortlich ist, habe ich den Eindruck, dass hier
viel mit Willkür zu tun hat. Hier reichen die jährlichen Kosten für einen „normalen“ Hund
von 90 EUR bis zu einem „Listenhund“ von 900 EUR. Jedoch kann man unter Umständen diese Kosten umgehen, indem man einen
Wesenstest beim Hund macht und der zukünftige Besitzer einen sogenannten
Hundeführerschein ablegt. Wieder ein Beispiel sinnfreier Bürokratie, um sich
das Leben zusätzlich schwer zu machen.
Und für all jene, die immer noch nicht verstanden haben, von was ich hier die ganze Zeit rede, ein Video zum Abschied. Vielleicht hilft euch das, die Dinge etwas anders zu sehen.
Liebe Grüße,
eure Steffi.
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